
Berlin, wir haben ein Problem
Das große Versprechen der vergangenen Jahrzehnte, das Berlin mit kreativer Entfaltung und günstigem Leben verband, trägt nicht mehr. Die Lebenshaltungskosten sind deutlich gestiegen und einer wachsenden Zahl von Berliner*innen wird der Zugang zu den Grundlagen eines selbstbestimmten Lebens dadurch massiv erschwert.
Berlin verzeichnet einen dramatischen Mangel an bezahlbarem Wohnraum, der sich bis weit in die mittleren Einkommensgruppen hinein bemerkbar macht. Wer eine Wohnung hat, verlässt sie nicht, auch wenn sie zu groß oder zu klein geworden ist. Kein Wunder: die durchschnittliche Angebotsmiete ist in nur zehn Jahren um rund 86% gestiegen. Künstler*innen, Kulturstätten, Handwerksbetriebe und das vielgerühmte kleinteilige Kiez-Gewerbe werden aus der Stadt verdrängt. Das schwache Gewerbemietrecht beschleunigt diesen Prozess, günstige Flächen sind kaum noch zu haben. Neu zu bauen ist kostspielig geworden. Wenn gebaut wird, dann liegen die Mieten in der Regel weit über dem Niveau, das die Mehrheit der Berliner*innen langfristig stemmen könnte, ohne Verschuldung oder Armut zu riskieren. Über 1,1 Mio. Haushalte haben heute in Berlin Anspruch auf einen Wohnungsberechtigungsschein (WBS) und mietpreisgebundenen Wohnraum – dessen Bestand schrumpft aber kontinuierlich und liegt inzwischen bei deutlich unter 100.000 Wohnungen.
Genossenschaften sind Teil der Lösung
Genossenschaften können zur Entspannung dieser Situation. Sie erhalten und schaffen Räume für eine bezahlbare, zugängliche und vielfältige Stadt. Das Versprechen Berlins auf Selbstentfaltung und leistbaren Wohnraum würde durch die stärkere Einbindung der Genossenschaften in die Stadtpolitik wieder eine breitere Basis bekommen.
- Genossenschaften bewirtschaften Häuser gemeinwohlorientiert. Sie haben nicht die private Rendite als Ziel, sondern den gemeinschaftlichen Gewinn. In ihren Häusern stellen sie bedarfsgerechte und dauerhaft leistbare Räume zur Verfügung – zum Wohnen und Zusammensein, zum Arbeiten und für soziale und kulturelle Angebote in der Stadt.
- Genossenschaften investieren Überschüsse aus Mieteinnahmen im Sinne der Nutzenden. Sie fließen in die Pflege, Instandhaltung und energetische Modernisierung der Bestände und werden für die Ausweitung genossenschaftlichen Wohnraums durch Ankauf oder Neubau verwendet.
- Genossenschaften versetzen Menschen in die Lage, durch Kooperation und in Gemeinschaft das zu schaffen, wozu ihnen als Einzelnen die Mittel fehlen. Sie wirken damit der Vereinsamung entgegen und fördern Kompetenzen zur demokratischen Mitgestaltung des Gemeinwesens in Quartieren und Stadtteilen.
